Kurzweilige Exkursion
Gabriele von Trauchburg über die Geschichte ihrer
Heimatgemeinde Lokale Agenda - Erster Gingener Kulturspaziergang
lässt auf mehr hoffen Bericht von Sigrid Balke in der
GZ/NWZ - Lokaler Kulturspiegel vom 19.7.2006
Die Lokale Agenda 21 Gingen hatte zu einem Kultur- und Naturspaziergang
eingeladen. Über 50 interessierte Spaziergänger machten sich auf den Weg, um mit
Dr. Gabriele von Trauchburg Befestigungsanlagen und verschwundene Burgen rund um
Gingen zu entdecken.
“Die Gingener Johanneskirche war einst eine wehrhafte Befestigungsanlage und
diente als letzter Zufluchtsort der Gingener Bevölkerung bei feindlichen
Angriffen.” Das berichtete die Historikerin Dr. Gabriele von Trauchburg den
interessiert zuhörenden Kulturspaziergängern an der ersten Station des
Rundgangs, dem Kirchhof der Johannes-Kirche. Ihren Erklärungen und den
anschaulichen Beschreibungen konnten auch die Jüngsten folgen, und vor den Augen
der Teilnehmer entstand das Bild einer autarken Befestigungsanlage in erhöhter
Hügellage mit wehrhaftem Turm und mit Brunnen zur Wasserversorgung. Überreste
von Brunnenanlagen hatte man 1984 bei der Sanierung des Kirchhofs entdeckt.
Kurz hinter dem Kirchenareal, das im Volksmund noch heute als “Schlössle”
bezeichnet wird, endete das Gingener Dorfgebiet, und damit auch die
Gerichtsbarkeit des Dorfvorstehers. Der so genannte Dorfetter, eine Art Zaun,
markierte die Grenze auf der einen Seite, ein Tor und ein befestigter Wall
begrenzte den Ort auf der anderen Seite. Den so genannten Landgraben hatten
viele der Teilnehmer schon beschritten, ohne sich über die immer noch
erkennbare, erhöhte Lage des Weges Gedanken zu machen, den die Historikerin als
Wall deutete.
Kurzweilig plauderte von Trauchburg über die Vergangenheit ihrer
Heimatgeschichte sowie über allgemeine historische Erkenntnisse, und ließ auch
alteingesessene Gingener zu Wort kommen. Die konnten sich durchaus daran
erinnern, dass man das Gebäude gegenüber dem Gasthaus Krone als “Haus des
Torwarts” bezeichnet hatte. “Natürlich nicht im sportlichen Sinne, sondern als
Wohnhaus für den zuständigen Wärter am Stadttor”, stellte Gabriele von
Trauchburg klar.
Weitere Stationen des Kultur- und Naturspaziergangs waren der vermutete
Gingener Turm auf einem südlichen Bergrücken, die Siedlung auf dem Grünenberg,
die Spottenburg, die Barbara-Kapelle und der Gingener Burgstall.
Der erste Gingener Kulturspaziergang, eine Initiative der Lokalen Agenda
unter der Federführung von Helga Maier, lässt auf weitere spannende Exkursionen
hoffen - das Interesse ist offenbar da.
Spaziergang rund um Gingen
Lokalgeschichte - Spaziergang rund um Gingen
(Bericht in der ‘GZ/NWZ - Lokaler Kulturspiegel’ vom
12.7.2006)
Am kommenden Sonntag beginnt in Gingen die Veranstaltungsreihe “Kultur und
Natur” mit einem Spaziergang und dem Thema “Befestigungsanlagen und Burgen rund
um Gingen”
Gingen - Mit der Reihe “Kultur und Natur” will die Lokale Agenda Gingen
aufzeigen, daß man über Kultur nicht nur reden, sondern sie auch in der
Landschaft erfahren kann. Zum Beweis will man künftig immer wieder einen
längeren Spaziergang unternehmen und dabei interessante Fakten offenbaren.
Ausgangspunkt für den ersten Spaziergang am Sonntag, 16. Juli, war die
Untersuchung der Gingener Flurnamen und ihre Hintergründe. Bei dem Versuch,
diese Bezeichnungen in Gruppen aufzugliedern, fällt die Tatsache auf, daß sich
manche finden, die auf Befestigungsanlagen oder verschwundene Burgen hinweisen.
Das geschulte Auge der Spezialisten erkennt heute noch deren Überreste in der
Landschaft.
Um das Verständnis für Geschichte und Bodendenkmäler zu vertiefen, bietet die
Lokale Agenda Kultur in Gingen einen halbtägigen Spaziergang zu ausgewählten
Überresten von Verteidigungsanlagen und abgegangenen Burgen rund um Gingen an.
An den jeweiligen Stationen erhalten die Teilnehmer Informationen über
Entstehung und Zweck der Anlage.
Treffpunkt am Sonntag ist um 13.30 Uhr vor der Gingener Johanneskirche. Bei
schlechtem Wetter wird die Veranstaltung verschoben. Für zwei Picknickstationen
wird ein Unkostenbeitrag erhoben. Die Wegstrecke ist zirka sieben Kilometer lang
und führt überwiegend durch Wälder. Die Rückkehr ist gegen 18 Uhr geplant.
Weitere Info bei den Veranstalterinnen: Dr. Gabriele von Trauchburg
(07162/945873) und Helga Maier (07162-7738). Anmeldung im Gingener Rathaus,
07162/9606-11.
Mehr als nur ein Ärgernis
Mehr als nur ein Ärgernis - Mit Vor- und Nachnamen konnte man früher
schwer jemanden finden Dr. Gabriele von Trauchburg informierte in Gingen
über die Vor- und Nachteile von “Hausnamen” (GZ und NWZ, Lokaler
Kulturspiegel - Artikel von Sigrid Balke vom 19. Juli und 23. Juli 2005
)
In einem gut strukturierten und unterhaltsamen Vortrag erläuterte Dr.
Gabriele von Trauchburg im Gingener Rathaus die Geschichte so genannter
Hausnamen.
Die gebürtige Gingenerin Dr. Gabriele von Trauchburg referierte am
Sonntagabend auf Einladung der Lokalen Agenda und zugunsten des Fördervereins
der Kirche im Gingener Rathaus. Sie räumte ein, daß Gingen früher viel kleiner
war als heute - allerdings habe es dort von Jahrzehnten mehr Bauern, Bäcker,
Metzger und Schreiner gegeben als heute. Wollte man einen davon aufsuchen, und
wusste nicht, wo er wohnte, konnte das unter Umständen recht schwierig werden;
es sei denn, man konnte etwas genauer fragen - noch dem Strudelbauern, dem
Stegschultes, dem Bäumlesmetzger oder dem Käsbeck. Mit einem erleichterten “Ja,
freilich!” hätte man dem Suchenden dann den Weg gewiesen.
Die Frage nach Bauer, Metzger oder Bäcker Fetzer hätte dagegen allenfalls ein
fragendes Achselzucken hervorgerufen, machte die Referentin ihren Zuhörern
klar. Immerhin nannten sich vor dem Zweiten Weltkrieg 40 Familien im Ort Fetzer.
Nicht selten in Kombination mit dem selben Vornamen, denn auch damals gab es
Vorlieben für bestimmte Namen: Georg, Barnabas, Eustachius. Kam dann noch
dieselbe Berufsgattung hinzu, war die Unterscheidung vollends aussichtslos.
Hausnamen, die auf Spezialisierungen, besondere Ereignisse, Institutionen,
geografische Angaben oder einer Kombination aus allem basieren, bezeichnen
dagegen unverkennbar eine bestimmte Person. Selbst wenn der Stegschultes Fetzer
geheißen hat, so war nur ein Fetzer für die Instandhaltung des unteren Stegs
verantwortlich, nur einer hatte ein Fuhrunternehmen und wurde Fuhrmann statt
Fetzer genannt, und nur einer wohnte neben dem Strudel des Barbarabachs.
Der Bekanntheitsgrad solcher Hausnamen ist oft größer, als der eigentliche
Familienname, was bei Nicht-Einheimischen zu peinlichen Verwechslungen führen
kann. “Grüß Gott Herr Hoiweger” konnte statt einer freundlichen Erwiderung
durchaus den Zorn des Angesprochenen hervorrufen, auch wenn Hausnamen eigentlich
keine Spottnamen waren.
Richtig kompliziert wird es beim Schwedemade, der allen älteren Gingenern ein
Begriff ist. Nachgefragt, warum man ihn so nennt, müssten allerdings die meisten
passen. Falsch - er war nicht in Schweden und ist kein Schwede. Weiter
zurückgehende Nachforschungen von Dr. Gabriele von Trauchburg haben etwas ganz
anderes ergeben: Swede ist die mittelhochdeutsche Bezeichnung für Wundpflaster.
Der Schwedemade war also Wundarzt. Vielleicht hieß auch er Fetzer. Oder aber
Hettich oder Clement - Nachnamen, die in Gingen fast genauso häufig vorkamen.
Sieben Jahre blieb man unter sich
Sieben Jahre blieb man unter sich - Zwischen 1803 und 1810 was Schluss mit
Schwäbisch - Keine Heirat mehr mit Ausländern Kurzweiliger Streifzug
durch Gingens weiß-blaue Vergangenheit mit Dr. Gabriele von Trauchburg (GZ
und NWZ - Lokaler Kulturspiegel - Artikel von Sigrid Balke vom 30. Juni
2004)
Ein unbekanntes Kapitel der Gingener Geschichte schlug am Sonntag
Landeshistorikerin Dr. Gabriele von Trauchburg auf. Das schwäbische Dorf gehörte
sieben Jahre zum bayerischen Königreich.
Ab 1803 gab in Gingen nicht länger der Kaiser den Ton an, sondern der
bayerische Kurfürst und spätere König Maximilian I. Joseph. Ihm war neben
zahlreichen weiteren Reichsstädten und Hochstiften auch das Gebiet der
Reichsstadt Ulm als Entschädigung für seine Verluste in den Koalitionskriegen
zugefallen. Kein schlechtes Geschäft, gehörte ihm so einer der leichtesten
Albaufstiege, die Geislinger Steige, ein strategisch günstiges Tal, das sich von
Süßen bis Geislingen stark verjüngt, und zusätzlich eine Wehrkirche in
Gingen.
Kurzweilig und anschaulich erläuterte die Gingener Landeshistorikerin Dr.
Gabriele von Trauchburg, welche Konsequenzen das letztendlich für die damaligen
Gingener Bürger hatte, und sie öffnete den zahlreichen Zuhörern im Foyer des
Rathauses die Augen für historische Zusammenhänge.
Zeugen dieser “Bayerischen Episode “ gibt es nur wenige. Liest man die
Kirchenbücher jener Zeit, läßt sich jedoch einiges feststellen: Die Grenzen
waren dicht, denn Heiraten mit “Ausländern” aus dem übrigen Württemberg sind
nicht mehr verzeichnet, die (Neu-)Bayern bleiben unter sich, die Sterblichkeit
steigt - für das einfache Volk nicht unbedingt weiß-blaue Seligkeit. Wurde
bislang für den Kaiser gebetet, so mussten die sonntäglichen Gebete nun
kurzerhand auf den bayerischen Kurfürsten umgeschrieben werden. Damit nicht
genug der Veränderungen: Die Kirchenbücher bekamen eine neue einheitliche
Aufmachung, die Vermögensabrechnungen der Kirchengemeinde wurden von da an in
zweifacher Ausfertigung geschrieben, die Vergütungen der Beamten änderten sich
und das Miteinander verschiedener Religionen erforderte neue Regeln. Ein Dank-
und Bittfest am 23. Januar 1803 und die Glocken der Johanneskirche läuteten
diese Veränderungen ein.
Sieben Jahre dauerte die bayerische Herrschaft über Gingen. 1810 regelten
Württemberg und Bayern die Grenzen neu - Donau und Iller waren von da an die
natürlichen Grenzen.
Von Trauchburg, Autorin mehrerer Bücher und sonstiger Publikationen sowie
ehemalige Dozentin an der Universität Augsburg ist in Gingen geboren und lebt
auch dort. Ihr Vortrag war geprägt von ihrer persönlichen Beziehung zu dem Dorf
und als ehemalige Kinderkirchhelferin auch zu seiner Kirche. Mit ihrem
kompetenten und sehr lebendigen Vortrag beleuchtete von Trauchburg nicht nur ein
Stück Gingener Ortsgeschichte, das bislang nur beiläufig erwähnt wurde, sondern
unterstützte auch den Förderverein für die Turmrenovierung.
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