Gingen an der Fils (Druckversion)
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Workshop Parken Ortsmitte

Autor: Martina Manz
Artikel vom 15.05.2019

Am Workshop haben folgende Bürger teilgenommen: Heinz Aggeler (wohnhaft Hindenburgstraße), Stefan Gerny (wohnhaft Pfarrstraße), Frieder Honold (wohnhaft Grabenstraße), Marchesa Demurtas (wohnhaft Froschgasse), Maria Toni (wohnhaft Bauerngasse), Irmin Schnarrenberger (wohnhaft Filsstraße), Andreas Weit (wohnhaft Enge Gasse), Ingrid Bäumler und Ulli Hüttner (wohnhaft Karlstraße). Zudem waren der Leiter des Straßenverkehrsamtes Manfred Gottwald, Vertreter des Planungsbüros mquadrat Manfred Mezger (Geschäftsführer) und Kerstin Riegert sowie GR Staffa, GR Frey, GRin Alex, GR Hofmann und GR Groeneveld anwesend. Die Gemeindeverwaltung war durch Bürgermeister Hick und Ordnungsamtsleiterin Schmolz vertreten.

Zu Beginn des Workshops führte Herr Gottwald, Leiter des Straßenverkehrsamtes, die Teilnehmer in die Thematik „Parken“ ein. Er sprach gesetzliche Grundlagen an und behandelte konkret die folgenden Fragen: Welcher Parkraum steht zur Verfügung? Wo darf man überhaupt parken? Wie kann die Gemeinde den Parkverkehr steuern? Welche verkehrsrechtliche Regelung macht wo Sinn? Wie entsteht aus den vorherigen Kriterien ein Parkraumkonzept?

Gesetzliche Grundlagen und Definitionen zum Thema „Parken“

Der bestehende innerörtliche Parkraum definiere sich größtenteils durch die allgemeine Straßenraumgestaltung sowie die Stellflächen und öffentlichen Parkplätze. Gottwald zitierte die Straßenverkehrsordnung, wo in §12 Absatz 2 festgelegt ist: „Wer sein Fahrzeug verlässt oder länger als drei Minuten hält, der parkt“. An engen und unübersichtlichen Stellen, im Bereich von scharfen Kurven, auf Einfädelungs- und Ausfädelungsstreifen, auf Bahnübergängen sowie vor und in amtlich gekennzeichneten Feuerwehrzufahrten ist das Halten und Parken generell verboten. Auch vor Grundstücksein- und –ausfahrten, auf schmalen Fahrbahnen zudem diesen gegenüber, darf nicht geparkt werden. Ein abgesenkter Bordstein signalisiert eindeutig, dass vor dem Abschnitt keine Autos abgestellt werden dürfen. Und in der Fahrschule lernt man, dass innerhalb verkehrsberuhigter Bereiche („Spielstraßen“) nur in gekennzeichneten Flächen geparkt werden darf.

Was sich für manchen selbstverständlich anhört, sei leider für einige Autofahrer offenbar nicht klar. Gottwald erinnerte sich zu jedem genannten Punkt an Fälle aus der Praxis, wobei durch ordnungswidriges Parkverhalten teilweise sogar Personen sich und andere in Gefahr gebracht haben. Untermauert wurden die Berichte durch beispielhafte Fotos. Innerorts sei das Verbot des Parkens vor und hinter Kreuzungen und Einmündungen bis zu 5 Metern von den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten entfernt ein häufiges Problemthema. Oft werde der gesetzliche Abstand nicht eingehalten.

Der Leiter des Straßenverkehrsamtes bemerkte, dass das Falschparken von Anliegern in unterschiedlichem Ausmaß toleriert werde. Er erlebe oft Fälle, in denen sich Anwohner über das Parkverhalten eines Nachbarn beschwerten. Wenn diese Personen, ihre Familienangehörigen oder ihre Besucher jedoch selbst  auf die gleiche Weise wie der zuvor gescholtene Nachbar ordnungswidrig parkten, werde in dem Moment subjektiv natürlich kein Problem gesehen.

Möglichkeiten zur Regulierung des Parkverkehrs

Eine Steuerung des ruhenden Verkehrs sei von Seiten der Gemeinde zum Beispiel durch die bauliche Anlage von Parkflächen möglich. Diese Maßnahme komme aber überhaupt nur in Frage, wenn Wohn- und Gewerbegebiete erschlossen würden oder wenn eine bestehende nicht genutzte und städtebaulich unattraktive Fläche in Parkfläche umgewandelt werden könne. Das Einführen einer Parkscheibenregelung biete sich insbesondere in der Nähe von örtlichem Gewerbe und Einzelhandel an. Hier herrsche erfahrungsgemäß ein hoher Parkdruck bei häufig wechselndem Parkverkehr.

Weniger der Schaffung neuer Plätze als eher der Sicherstellung notwendiger Ausweichflächen für den fließenden Verkehr diene das Markieren von Parkflächen. Diese Maßnahme sei an entsprechenden Stellen wichtig, da sie die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer fördere. Gehwegparken sei gleichermaßen eine Möglichkeit der Verkehrsregelung, könne aber nur bei genügend verbleibender Wegfläche angeordnet werden. Die meisten Gehwege im Landkreis würden diese Voraussetzung von vorneherein nicht erfüllen.

Die Parkregelung durch Widmung von Parkplätzen (z.B. „nur für PKW“) müsse wohl überlegt sein. Zunächst höre es sich verlockend an, beispielsweise Transporter-Busse und kleinere LKW aus Wohngebieten herauszuhalten, indem reine PKW-Parkplätze geschaffen würden. Gottwald machte darauf aufmerksam, dass dies jedoch den Lieferverkehr an Gewerbe und Private hemme und darum insbesondere großflächig keine sinnvolle Lösung sei. Aufgezählt wurden noch Halteverbote sowie eine Regelung zum Anwohnerparken.

Erstellung eines übergreifenden Parkkonzeptes

Der Leiter des Straßenverkehrsamtes betonte ausdrücklich, dass nicht jede der zuvor genannten Maßnahmen an jeder Stelle in der Umsetzung sinnvoll sei. Auch dürfe keine isolierte Betrachtung von einzelnen Problemstellen erfolgen. Er halte es für wichtig, dass die jeweiligen Straßenbereiche Gingens systematisch und ohne dabei den Überblick zu verlieren, auf Parkbedarf und geeignete Regelungen analysiert werden. Ebenfalls empfahl er ganz klar, in der städtebaulichen Planung zukünftig weiterhin den Parkverkehr in ausreichendem Maße mit einzuplanen.   

GR Staffa betonte nach dem Vortrag, er sei Herrn Gottwald dankbar, dass er auch die Probleme angesprochen hat, die mit der Umsetzung von Verkehrsregelungen einhergehen. Es müsse allen Bürgern und Teilnehmern des Workshops klar sein, dass nicht die Vorstellungen und Interessen jedes Einzelnen umgesetzt und in gewünschtem Maße berücksichtigt werden können. Manche Straßenzüge würden sich womöglich sogar zum Missfallen einiger Anwohner entwickeln. BM Hick bemerkte, dass einige Bürger ein sehr hohes Anspruchsdenken hätten. Jeder wolle wenn möglich direkt vor seinem Haus bzw. dem Laden parken. Hier müssten sich die Bürger auch den Gegebenheiten anpassen und etwas weitere Fußwege in Kauf nehmen.

Bestandsaufnahme Problemstellen und Potentiale Parken

BM Hick erläuterte, dass im Vorfeld zum Workshop von der Verwaltung und dem Gemeindevollzugsdienst aufwändig Daten bezüglich der im Ort vorhandenen öffentlichen Parkflächen sowie potentieller neuer Parkflächen erhoben wurden. Diese Erhebungen richteten sich nach der Bürgerumfrage zum Thema Parkflächenbedarf, welche im Ortskern im Jahr 2018 durchgeführt wurde. Anhand dieser Daten erstellte das Planungsbüro mquadrat aus Bad Boll Pläne der einzelnen Straßenzüge. Hierbei wurden öffentliche zeitlich begrenzte und unbegrenzte Parkflächen, geplante öffentliche Parkflächen sowie öffentliche bislang nicht ausgewiesene Parkflächen (Potentiale) eingezeichnet. Betrachtet wurden die Hindenburgstraße, Bahnhofstraße, Mühlgasse, Pfarrstraße, Enge Gasse, das Kimmelgässle, die Große Gasse, Grabenstraße, Filsstraße, Froschgasse, Kirchgasse, Hintere Gasse und Bauerngasse.

Diskussionsrunde und Einbringung von Vorschlägen/ Anregungen

In der allgemeinen Diskussionsrunde bemängelte GR Staffa, dass Feuerwehrfahrzeuge an vielen Stellen in Gingen nicht passieren könnten und außerdem Saugstellen und Unterflurhydranten regelmäßig zugeparkt würden. Straßenverkehrsamtsleiter Gottwald kannte das Problem. Schwierig werde es häufig dann, wenn wechselseitig geparkt werde. Die Restfahrbahnbreite betrage so abschnittsweise zwar häufig noch 3,10m, jedoch wäre es für breite (Notfall-)Fahr-zeuge trotzdem unmöglich auf lange Strecken gesehen ungehindert durch die parkenden Autos zu manövrieren. GR Groeneveld bemerkte, dass die Große Gasse im Grunde ganztägig beidseitig sehr dicht beparkt sei. Die Durchfahrtstrasse sei darum äußerst eng. Frau Demurtas fügte hinzu, ihr falle häufig auf, dass PKW in Kreuzungsbereichen geparkt würden. Man habe deswegen sehr schlechte Sicht.

Herr Gerny brachte in die Runde ein, dass es auf dem Kirchplatz Parkprobleme gäbe, da zu wenige Tiefgaragenstellplätze vorhanden seien. Er erkundigte sich, ob die zeitliche Begrenzung der Parkplätze dort noch nötig sei, da sich auf dem Platz keine Läden und Geschäfte mehr befinden würden. Zudem erwähnte er seine Bedenken, dass die für den Samariter Stift geplanten Parkflächen nicht ausreichen. Frau Zimmermann erkundigte sich, ob es möglich wäre, für die Mitarbeiter des Altenheimes Parkflächen an anderer Stelle zu schaffen. Herr Weit fand, eine Ortsmitte sei nicht nur dadurch attraktiv, dass es vor jedem Laden einen Haufen Parkplätze gebe. Er erinnerte, dass auch andere Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden müssten. BM Hick gab ihm Recht und stellte klar, es werden nicht Parkflächen um jeden Preis geschaffen. Das Ortsbild dürfe nicht unter den Planungen leiden.

Stadtplaner Manfred Mezger war der Meinung man könne die größten Probleme der Parkplatznot nicht im öffentlichen Verkehrsbereich lösen. Viele Straßenzüge in Gingen, wie beispielsweise die Bauerngasse, Mühlgasse oder Enge Gasse, würden schlicht keinen Platz bieten, um auf öffentlicher Fläche überhaupt Nutzungsänderungen zu veranlassen. Er sei überzeugt, dass die Verdichtung der Ortsmitten langsam zu einem Ende kommen müsse und an mancher Stelle sogar über eine „Entdichtung“ nachgedacht werden müsse.

Herr Honold überlegte, man müsse manchen Verkehrsteilnehmern vielleicht nur einmal Alternativen zum bisherigen Parken im Ortskern aufzeigen. Manche auswärtige Personen, insbesondere Mitarbeiter von örtlichen Unternehmen, wüssten vielleicht gar nicht, an welchen anderen Stellen sie etwas außerhalb des Zentrums parken könnten. Er sehe beispielsweise eine alternative Parkmöglichkeit am Friedhof, direkt am Ortseingang. Straßenverkehrsamtsleiter Gottwald meinte, dass die Förderung und der Ausbau der Radinfrastruktur im Ort vielleicht ein paar mehr Personen dazu bewegen könnte Rad zu fahren. So könnte die Parkplatznot sich langfristig auch geringfügig entschärfen. GR Hofmann dachte man müsse die Einstellung der Bevölkerung zum Straßenverkehr insgesamt ändern, alles andere sei ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es müssten zukünftig mehr Personen auf Radverkehr und die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. GR Frey war dafür, dass geeignete Flächen, welche für PKW zu klein sind, als Radstellplätze ausgewiesen werden.

Herr Honold fragte, ob es möglich sei anstelle von unterteilten Parkkästchen nur eine Anfangs- und Endmarkierung zu machen. So würden, sofern die Autofahrer die Fläche voll ausnutzen, teilweise mehr Autos in die Fläche passen. Laut Herrn Gottwald wäre das grundsätzlich kein Problem. An manchen Verkehrspunkten funktioniere diese Variante besser, an anderen schlechter.

Weiteres Vorgehen und Aussicht

Auf Wunsch von Herrn Mezger vom Planungsbüro mquadrat wurden zur weiteren Bearbeitung Schwerpunkte festgelegt. Es wurden folgende Bereiche gewählt:

-        Filsstraße/Grabenstraße/Froschgasse
-        Obere Pfarrstraße
-        Mühlgasse

Zusammengefasst ergaben sich aus den Anregungen der Teilnehmer folgende Punkte für die weitere Bearbeitung:

-        Park an Ride Plätze schaffen
-        Parkgebiete „nur PKW/ LKW“
-        Parkflächen ohne Parzellierung markieren (Einzeln markierte Parkflächen reduzieren ggf. Parkmöglichkeiten)
-        Möglichkeit Einbahnstraße
-        Sind auf den Pflasterflächen der Hinteren Gasse Stellplätze möglich?
-         Fahrradstellplätze (auf „Restflächen“) schaffen um Umstieg Verkehrsmittel zu ermöglichen
-        Parkraumgewinnung wenn Bus in der Pfarrstraße entfällt? (Änderung Buslinie?)
-        Sperrflächen an Funktionsstellen anbringen/ Rettungsdienst beachten (Saugstellen, Unterflurhydrant)
-        Öffentliche Stellplätze z.B. Mühlgasse und obere Grabenstraße zeitlich begrenzen (Parkscheibenregelung)
-        Parken Ortsdurchfahrt vs. Gehwege/ Radweg
-        Ausgewiesenes Parken auf Landesstraße Hindenburgstraße möglich?
-        Parkalternativen aufzeigen (z.B. Parkfläche am Friedhof, an der Hohensteinhalle etc.)

Des Weiteren wurden noch folgende Vorschläge und Anregungen gegeben:

-        Infoschreiben an Anwohner, dass die Gemeinde derzeit Parkpotentiale ermittelt und eine Aufforderung, platzsparend zu parken

-        Feuerwehr Aktionstag, bei welchem Personen/Familien im Feuerwehrauto mitfahren dürfen (stärkt Wahrnehmung und Verständnis, dass Fahrzeug in vielen Straßen nicht durchkommt)

-        Werbung über Gewerbeverein mit dem Motto „Lass dein Auto stehen“ (z.B. jeder Kunde mit dem Rad bekommt Rabatt o.ä.)

-        Handzettel beim Bäcker Korn auslegen mit Info zur neuen Parkregelung Grabenstraße

In den nächsten Schritten werden die zusammengetragenen Anregungen in Bezug auf die festgelegten Schwerpunkte geprüft. Es wird anschließend ein weiterer Workshop stattfinden, in welchem die Ergebnisse besprochen werden.

Hinweis

Die Inhalte werden von der Gemeinde Gingen an der Fils gepflegt. Bei Fragen oder Anregungen bitte an die Gemeinde Gingen an der Fils wenden.

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