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Arbeitsplätze mit erhöhter Radonkonzentration anmelden

Radon ist ein natürliches Zerfallsprodukt aus der Uran-Radium-Reihe. Es ist überall auf der Erde vorhanden. Es trägt wesentlich zur natürlichen Umweltradioaktivität bei. Es ist farb-, geruch- und geschmacklos. Es entweicht über Risse und Spalten aus dem Erdreich in die Atemluft und kann sich in Innenräumen anreichern. Das jahrelange Einatmen erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Zum Schutz vor Radon an Arbeitsplätzen in Innenräumen enthält das Strahlenschutzrecht (Strahlenschutzgesetz und Strahlenschutzverordnung) Vorgaben und Regelungen.

Diese gelten für Sie, wenn

  • Ihr Unternehmen verantwortlich für Arbeitsplätze im Erd- und Kellergeschoss von Gebäuden in Radonvorsorgegebieten des Landes Baden-Württemberg ist,
  • Ihr Unternehmen verantwortlich ist für Arbeitsplätze in Arbeitsfeldern mit erhöhter Exposition durch Radon (wie untertätige Bergwerke, Schächte, Höhlen, Besucherbergwerke, Radonheilbäder, Radonheilstollen und Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung) oder
  • Ihr Unternehmen als Dritter in fremden Betriebsstätten eigenverantwortlich beruflich tätig ist, in denen Messungen der Radonkonzentration durchgeführt wurden.

Für einen Arbeitsplatz sind Sie nach Strahlenschutzrecht verantwortlich, wenn

  • Sie in Ihrer Betriebsstätte eine Betätigung beruflich ausüben oder ausüben lassen oder
  • in Ihrer Betriebsstätte ein Dritter eigenverantwortlich eine Betätigung beruflich ausübt oder ausüben lässt.

Nach derzeitiger Rechtslage gelten die Vorgaben des Strahlenschutzrechtes zum Schutz vor Radon an Arbeitsplätzen nicht für Telearbeitsplätze, Heimarbeitsplätze, Mobiles Arbeiten und Homeoffice in privaten Wohnungen.

Wenn Sie für einen Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss eines Gebäudes in Radonvorsorgegebieten und in Arbeitsfeldern mit erhöhter Radonkonzentration verantwortlich sind, müssen Sie dort die Radonkonzentration messen.

Beträgt am Arbeitsplatz die Radon-222-Aktivitätskonzentration (Radonkonzentration) in der Luft im Jahresmittel mehr als 300 Becquerel pro Kubikmeter, müssen Sie Maßnahmen einleiten, um die Radonkonzentration zu senken (Reduzierungsmaßnahmen).

Den Erfolg der Reduzierungsmaßnahmen müssen Sie durch eine Kontrollmessung der Radonkonzentration belegen.

Sie müssen die betroffenen Arbeitskräfte und den Betriebsrat oder den Personalrat über die Ergebnisse der Messungen und gegebenenfalls der Kontrollmessungen unterrichten. Diese Informationspflicht gilt auch gegenüber allen Unternehmen, die in Ihren Betriebsstätten als Dritte eigenverantwortlich beruflich tätig werden.

Werden Sie als Dritter über die Ergebnisse der Messungen und gegebenenfalls der Kontrollmessungen der fremden Betriebsstätten unterrichtet, müssen Sie diese Informationen an Ihre betroffenen Arbeitskräfte sowie den Betriebsrat oder Personalrat weitergeben.

Lässt sich die Radonkonzentration am Arbeitsplatz trotz Reduzierungsmaßnahmen nicht unter 300 Becquerel pro Kubikmeter senken, müssen Sie als Arbeitsplatzverantwortlicher

  • den Arbeitsplatz beim zuständigen Regierungspräsidium anmelden,
  • die zu erwartende Radon-Exposition für die Arbeitskräfte innerhalb einer Frist von sechs Monaten abschätzen und
  • gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen.

Werden in Ihrem Unternehmen aus Gründen des Arbeitsschutzes, des Gesundheitsschutzes oder der Natur des Arbeitsplatzes keine Reduzierungsmaßnahmen ergriffen, um die Radonkonzentration unter 300 Becquerel pro Kubikmeter zu senken, müssen Sie

  • diese Arbeitsplätze beim zuständigen Regierungspräsidium unter Angabe der besonderen Gründe anmelden,
  • die zu erwartende Radon-Exposition für die Arbeitskräfte innerhalb einer Frist von sechs Monaten abschätzen und
  • gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen.

Wenn Sie als Dritter an mehreren angemeldeten Arbeitsplätzen in fremden Betriebsstätten beruflich tätig werden, müssen Sie

  • diese Betätigung beim zuständigen Regierungspräsidium anmelden und
  • die zu erwartende Radon-Exposition für die Betätigung innerhalb einer Frist von sechs Monaten abschätzen.

Voraussetzungen

  • Arbeitsplätze Ihres Unternehmens befinden sich im Erd- und Kellergeschoss von Gebäuden in Radonvorsorgegebieten und die dort gemessene Radonkonzentration überschreitet trotz Maßnahmen zur Reduzierung den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter oder
  • In Ihrem Unternehmen werden aus Gründen des Arbeitsschutzes, des Gesundheitsschutzes oder der Natur des Arbeitsplatzes keine Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration ergriffen, um den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter zu unterschreiten oder
  • Die an einem beliebigen Arbeitsplatz gemessene Radonkonzentration überschreitet trotz Maßnahmen zur Reduzierung den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter oder
  • Ihr Unternehmen wird an mehreren angemeldeten Arbeitsplätzen in fremden Betriebsstätten in eigener Verantwortung beruflich tätig.

Verfahrensablauf

1. Anmeldung von Arbeitsplätzen

Melden Sie Arbeitsplätzen mit erhöhter Radonkonzentration bei der zuständigen Stelle an, wenn

  • an einem Arbeitsplatz Ihres Unternehmens die Radonkonzentration nach der Durchführung von Maßnahmen noch immer den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschreitet oder
  • Sie an einem Arbeitsplatz Ihres Unternehmens aus besonderen Gründen auf Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration verzichtet haben.

Nutzen Sie dafür das Formular zur Anmeldung von Arbeitsplätzen mit erhöhter Radonkonzentration.

2. Anmeldung der Betätigung in fremden Betriebsstätten

  • Ist Ihr Unternehmen an mehreren angemeldeten Arbeitsplätzen in fremden Betriebsstätten eigenverantwortlich beruflich tätig wird, müssen Sie diese Betätigung schnellstmöglich beim zuständigen Regierungspräsidium anmelden.
  • Verwenden Sie für die Anmeldung der Betätigung das Formular zur Anmeldung der Betätigung an angemeldeten Arbeitsplätzen mit erhöhter Radonkonzentration in fremden Betriebsstätten durch Dritte.
  • Die für die Anmeldung notwendigen Angaben müssen Ihnen die Unternehmen zur Verfügung stellen, die die betroffenen Arbeitsplätze jeweils angemeldet haben.

3. Abschätzung der Radonexposition

  • Innerhalb von sechs Monaten nach der Anmeldung eines Arbeitsplatzes oder einer Betätigung müssen Sie eine auf den Arbeitsplatz bezogene Abschätzung der Exposition durch Radon für jede einzelne betroffene Arbeitskraft durchführen.
  • Sie müssen die Ergebnisse der Abschätzung dem zuständigen Regierungspräsidium schnellstmöglich vorlegen.
  • Verwenden Sie für die Vorlage der Ergebnisse der Abschätzung das zweiteilige Formblatt Abschätzung der Radon­exposition der Arbeitskräfte pro Kalenderjahr an angemeldeten Arbeitsplätzen mit erhöhter Radonkonzentration.
  • Zeichnen Sie die Ergebnisse der Abschätzungen auf und bewahren Sie diese bis zur Beendigung der Betätigung oder bis zum Vorliegen neuer Messergebnisse auf.
  • Ihre Dokumentation der Ergebnisse der Abschätzung sollte insbesondere die personenbezogenen und ortsbezogenen Messergebnisse sowie die ausgefüllten Formblätter zur Abschätzung der Radonexposition enthalten.

4. Effektive Dosis kleiner als 6 Millisievert im Kalenderjahr

Ergibt Ihre Abschätzung, dass die effektive Dosis 6 Millisievert im Kalenderjahr nicht überschreiten kann, beurteilen Sie regelmäßig, ob sich die Radonexposition insbesondere durch Veränderung der Arbeitsbedingungen, Änderungen der Aufenthaltszeiten oder räumliche beziehungsweise bauliche Veränderungen soweit erhöht haben könnte, dass die effektive Dosis 6 Millisievert im Kalenderjahr überschreiten kann.

Halten Sie grundsätzlich die Radonexposition so gering wie möglich, z.B. durch Begrenzung der Aufenthaltsdauer in bestimmten Räumen oder durch geeignete Arbeitsmethoden.

5. Effektive Dosis größer als 6 Millisievert im Kalenderjahr

Ergibt die Abschätzung, dass die effektive Dosis 6 Millisievert im Kalenderjahr überschreiten kann, müssen Sie die Anforderungen des beruflichen Strahlenschutzes nach Strahlenschutzgesetz und Strahlenschutzverordnung erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass Sie die Radonexposition so gering wie möglich halten, die Körperdosis der betroffenen Arbeitskräfte messen und die Arbeitskräfte im Strahlenschutzregister des Bundesamtes für Strahlenschutz als auch bei der zuständigen amtlichen Messstelle registrieren. In diesem Fall wenden Sie sich an das für Sie zuständige Regierungspräsidium.

Fristen

Anmeldung von Arbeitsplätzen, Verzicht auf Maßnahmen, Tätigkeit an angemeldeten Arbeitsplätzen:

  • Anmeldung: schnellstmöglich
  • Abschätzung der Radonexposition: innerhalb von 6 Monaten nach der Anmeldung
  • Abschätzung vorlegen: schnellstmöglich

Unterlagen

Abhängig vom Einzelfall. Detaillierte Informationen finden Sie in den Formularen.

Kosten

  • Anmeldung von Arbeitsplätzen: abhängig vom Einzelfall, zwischen EUR 200,00 und 2.500

Für die Nutzung der Messgeräte und der Auswertung der Messung entstehen Ihnen ebenfalls Kosten.

Zuständigkeit

das für den Hauptsitz des Unternehmens zuständige Regierungspräsidium

Freigabevermerk

Stand: 29.06.2021

Verantwortlich: Umweltministerium Baden-Württemberg